1 Jahr .Liebgewonnen – wie aus „Ich brauche mehr Platz“ plötzlich ein Brautladen wurde
Vor einem Jahr habe ich .Liebgewonnen eröffnet.
Und wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich jetzt gern erzählen, dass das schon immer mein großer Traum war. Dass ich jahrelang darauf hingearbeitet, Businesspläne geschrieben und irgendwann feierlich beschlossen habe: „So, jetzt eröffne ich einen Brautladen!“
War aber nicht so. Eigentlich brauchte ich nur Platz.
Manchmal entstehen die besten Dinge eben nicht nach Plan
Nach unserem Hausbrand standen wir vor der ziemlich unschönen Aufgabe, all die Dinge unterzubringen, die wir irgendwie retten konnten. Gleichzeitig brauchte ich mehr Platz für meine Fotografie und ursprünglich war die Idee tatsächlich, die neuen Räume hauptsächlich als Fotostudio und Lagerfläche zu nutzen.
Und dann kam irgendwie eins zum anderen.
Aus einer Idee wurde eine andere. Aus ein paar Kleidern wurden ein paar mehr. Und irgendwann stand ich da und hatte tatsächlich einen eigenen Brautmodeladen mitten in Radeberg.
.Liebgewonnen war geboren.
Heute, ein Jahr später, denke ich manchmal selbst: Okay. Das ist ganz schön eskaliert.
Im positivsten Sinne 😛
Rund 35 Bräute im ersten Jahr – und jede davon war anders
Inzwischen durfte ich in meinem ersten Jahr mit .Liebgewonnen rund 35 Bräute glücklich machen. Für einen kleinen, neuen Brautladen finde ich das tatsächlich ziemlich cool.
Und besonders schön ist für mich, dass sich meine beiden Welten immer häufiger miteinander verbinden.
Einige meiner Bräute aus dem Laden darf ich 2026 oder 2027 auch als Hochzeitsfotografin begleiten. Ich sehe sie also nicht nur irgendwann in Unterwäsche in meiner Umkleidekabine stehen und verschiedene Kleider ausprobieren, sondern darf später tatsächlich dabei sein, wenn genau dieses Kleid beim JA-Wort zum Einsatz kommt. Schon irgendwie schön…..
Und für mich vermutlich auch der beste Beweis dafür, dass Fotografie und Brautmode viel besser zusammenpassen, als ich am Anfang selbst gedacht hätte.
Ich habe in diesem Jahr wahnsinnig viel gelernt
Ich werde hier jetzt sicherlich nicht behaupten, dass nach einem Jahr Brautladen plötzlich alles sitzt und ich sämtliche Geheimnisse der Brautmode entschlüsselt habe.
Habe ich nicht. Und das finde ich überhaupt nicht schlimm !
Ich habe in diesem Jahr unglaublich viel gelernt – und lerne immer noch weiter. Gerade Stoffe, Schnitte, Verarbeitung und die Möglichkeiten, ein Kleid zu verändern, sind ein riesiges Thema. Dabei versuche ich mich so gut es geht weiterzubilden – schaue mir unendlich viel Online dazu an, hab sogar überlegt, noch ein weiteres kleines mini-fernstudium zu dem Thema anzufangen.
Denn manchmal steht eine Braut vor dem Spiegel und sagt: „Wenn das hier nur ein bisschen anders wäre …“
Und ganz oft lautet die Antwort tatsächlich: Das geht.
Träger verändern, Ausschnitte anpassen, Ärmel ergänzen, etwas schließen, etwas öffnen, die Silhouette verändern, Spitzen versetzen – mit einer wirklich erfahrenen Schneiderin ist bei Brautkleidern sehr viel mehr möglich, als man auf den ersten Blick denkt.
Genau da möchte ich immer besser werden. Ich möchte schon bei der Beratung einschätzen können, was realistisch machbar ist und was vielleicht nur in unserer Fantasie eine gute Idee wäre.
Ich glaube sowieso, dass man in diesem Beruf nie an den Punkt kommt, an dem man alles weiß. Dafür verändert sich Brautmode viel zu schnell – und dafür sind Frauen, Körper und Wünsche viel zu unterschiedlich.
Und das ist auch gut so.
Aus ein paar Kleidern wurden über 200
Wenn ich heute durch den Laden gehe, stehen und hängen hier mittlerweile mehr als 200 Brautkleider.
Ungefähr 40 Prozent davon sind gebrauchte Brautkleider oder Outletkleider. Der Rest besteht aus neuen Kleidern aktueller Kollektionen.
Und genau diese Mischung ist mir mittlerweile richtig wichtig geworden.
Denn nicht jede Braut möchte 2.000 oder 3.000 Euro für ihr Kleid ausgeben. Nicht jede möchte ein neues Kleid. Andere wiederum möchten ganz bewusst ein Kleid aus einer aktuellen Kollektion bestellen.
Warum sollte ich mich also für eine Seite entscheiden?
Bei .Liebgewonnen findest du deshalb Second-Hand- und Outletkleider genauso wie aktuelle Modelle von Amberbride, Ariamo Boho, Amelie Bridal, Linda Bridal und KOTAPSKA Bridal Couture.
Und gerade KOTAPSKA hat sich dabei ein bisschen zu meinem Steckenpferd entwickelt.
Warum ich KOTAPSKA so gern im Laden habe
KOTAPSKA ist ein ukrainisches Familienunternehmen, das bereits 2002 von den Schwestern Iryna und Lyudmila Kotapska gegründet wurde. Was damals mit einer einzigen Schneiderin begann, ist heute eine international vertretene Bridal-Couture-Marke mit eigener Produktion und einem Team aus rund 100 Fachkräften. Die Kleider werden mittlerweile in mehr als 250 Brautmodengeschäften weltweit angeboten.
Was mir daran besonders gefällt, ist diese Mischung aus klassischer Brautmode und Dingen, die eben nicht ganz klassisch sind.
Die aktuellen Kollektionen spielen mit unterschiedlichen Silhouetten, aufwendigen Spitzen, Stickereien und modernen, wandelbaren Elementen. Es gibt Kleider mit abnehmbaren Röcken und Ärmeln, unterschiedliche Stylingmöglichkeiten und sogar mehrteilige Looks mit Hosen. Genau diese Wandelbarkeit finde ich wahnsinnig spannend.
Denn eine Braut muss für mich nicht aussehen wie „eine Braut“.
Sie soll aussehen wie sie selbst – nur eben in Braut.
Und vielleicht passt KOTAPSKA deshalb so gut zu dem, was ich mit .Liebgewonnen machen möchte.
Ich habe die Vielfalt der Brautmode wirklich lieben gelernt
Das hätte ich vor ein paar Jahren wahrscheinlich selbst nicht gedacht.
Natürlich hatte ich als Hochzeitsfotografin schon vorher sehr viel mit Brautkleidern zu tun. Ich habe über die Jahre vermutlich mehr davon gesehen als der durchschnittliche Mensch in seinem gesamten Leben. Aber ein Kleid zu fotografieren und ein Kleid wirklich kennenzulernen, sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Heute sehe ich Stoffe anders. Ich sehe Schnitte anders. Ich achte darauf, wie ein Rock fällt, was eine Corsage mit einer Silhouette macht und warum ein Kleid an einer Frau komplett anders wirken kann als an der nächsten.
Und vor allem habe ich gelernt, wie unglaublich vielfältig Brautmode eigentlich ist.
Clean und schlicht. Boho. Vintage. Spitze. Fit & Flare. Große Prinzessin. A-Linie. Corsage. Ärmel. Keine Ärmel. Glitzer. Kein Glitzer. Ein bisschen verrückt. Oder einfach ganz klassisch.
Ich möchte bei .Liebgewonnen möglichst viel davon zeigen. Trotzdem möchte ich meiner eigenen Linie treu bleiben: ein bisschen freier, ein bisschen wilder und bitte nicht alles so furchtbar steif.
Ich möchte nicht, dass du in meinen Laden kommst und das Gefühl hast, jetzt eine bestimmte Vorstellung von „Braut“ erfüllen zu müssen.
Ich möchte herausfinden, welche Braut du bist.
Natürlich war nicht alles nur schön
Ein eigenes Geschäft aufzubauen bedeutet eben auch, Entscheidungen zu treffen, die manchmal gut und manchmal weniger gut funktionieren.
Es gab Kleider, bei denen ich dachte: „DAS wird der Renner!“ – und die hängen immer noch hier.
Und andere, bei denen ich mir beim Einkauf nicht ganz sicher war und die gefühlt sofort eine Braut gefunden haben.
Ich habe Dinge ausprobiert, wieder verworfen, mein Sortiment verändert und gelernt, genauer hinzusehen, was meine Bräute eigentlich suchen.
Es gab ruhige Wochen, in denen man kurz überlegt, ob das alles so eine gute Idee war.
Und dann gibt es diese Tage, an denen eine Braut vor dem Spiegel steht, plötzlich dieses ganz bestimmte Gesicht macht und man weiß:
Okay.
Genau deshalb.
Und was wird jetzt aus der Fotografie?
Keine Sorge.
Die bleibt.
Ich bin Fotografin und das werde ich auch bleiben. Dafür liebe ich diesen Beruf viel zu sehr.
Aber ich merke, dass sich mein Fokus langsam verändert.
Hochzeiten waren sowieso schon immer ein sehr großer Teil meiner Arbeit – und ich kann mir gut vorstellen, dass ich diesen Bereich in den nächsten Jahren noch stärker ausbaue.
Brautmode und Hochzeitsfotografie ergänzen sich für mich mittlerweile einfach unglaublich gut. Im Laden erlebe ich den Anfang dieser Geschichte und bei manchen meiner Bräute darf ich später sogar dabei sein, wenn aus all den Entscheidungen plötzlich ein echter Hochzeitstag wird.
Dafür werde ich wahrscheinlich andere Bereiche meiner Fotografie nach und nach etwas zurückfahren. Zum Beispiel die Kitafotografie.
Nicht von heute auf morgen. Aber ich merke einfach, wo mein Herz gerade hin möchte.
Und das ist ziemlich eindeutig:
Hochzeiten.
Ein Jahr .Liebgewonnen – und irgendwie fühlt es sich gerade erst nach dem Anfang an
Wenn mir jemand vor zwei Jahren erzählt hätte, dass ich heute in einem Laden mit über 200 Brautkleidern stehe, hätte ich ihn wahrscheinlich etwas merkwürdig angeschaut.
Und jetzt?
Kann ich mir ein Leben ohne diesen Laden gerade kaum vorstellen.
Ich mag die Gespräche. Ich mag die unterschiedlichen Frauen. Ich mag es, wenn jemand mit einer festen Vorstellung hereinkommt und am Ende ausgerechnet in dem Kleid strahlt, das sie eigentlich niemals anprobieren wollte.
Ich mag die leisen Brautmomente genauso wie die lauten.
Und ich mag, dass ich immer noch lernen darf.
35 Bräute im ersten Jahr sind für mich deshalb nicht „nur“ 35 verkaufte Kleider. Es sind 35 ganz unterschiedliche Geschichten, Entscheidungen und Frauen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben.
Und dafür bin ich wirklich dankbar.
Also: Happy Birthday, .Liebgewonnen.
Mal schauen, wie viele Kleider hier zum zweiten Geburtstag stehen.
Wobei… vielleicht sollte ich vorher noch ein bisschen mehr Platz schaffen.





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